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Kommen und Gehen

Das „Kommen und Gehen“ ist ein Klassik-, aber kein klassisches Musikfestival!

Es ist Tummelplatz für lautes und mächtiges, virtuoses und rasantes, stilles und kleines Musizieren. Kooperationen namhafter Künstler verschiedener kultureller Auffassungen, für sich stehende musikalische Aufführungen und ambitionierte Nachwuchsmusiker finden hier gleichberechtigt ihren Platz.

Hintergrund

Die Oberlausitz – an der Via Regia gelegen, von Schwaben zwangsbesiedelt, von den Schweden und Russen besetzt – war schon immer ein Raum des „Kommen und Gehen“, des Austausches von Kultur und Wirtschaft. Von mehr als 600 Jahren schlossen sich hier die Städte Bautzen, Görlitz, Kamenz, Lauban, Löbau und Zittau zusammen. Dieser Sechsstädtebund veredelte asiatische textile Rohstoffe, bekleidete Europas Herrschaftshäuser und wurde dadurch zu einem kulturellen Mittelpunkt in Europa. Zu nachhaltigem Ruhm gelangte die Oberlausitz unter anderem durch das Wirken von Jakob Böhme, Nikolaus Ludwig von Zinzendorf, Rudolf Herrmann Lotze, Christian Gottlieb Prieber, der als erster namentlich erwähnter deutscher Utopist in die Geschichte der Aufklärer einging und die humanistische Entwicklung der Menschheit außerordentlich beeinflusste.

Heute ist die Oberlausitz Teil einer Kulturlandschaft im Dreiländerecks Deutschland-Polen-Tschechien in der Mitte Europas. Touristisch bestens aufgestellt ist die Region durch die Via Sacra, die sorbische Kultur, lebendige Kurorte, das Zittauer Gebirge, die Nähe zum Iser- und Riesengebirge sowie zu den Städten Wroclaw, Prag und Dresden. Dennoch zählt die ländlich geprägte Region wirtschaftlich zu den strukturschwächsten der Bundesrepublik. Sie versteckt zwar einige „Perlen“ und Wachstumsstädte wie Bautzen und Görlitz, die über eine Anziehungskraft in der Gegend verfügen, aber sie trägt auch „ausblutende“ Gemeinden mit sich. Die Bewohner dieser Gegend nehmen dieses Problem jedoch auch als Potential für eine zukunftsweisende Entwicklung ihrer Heimat wahr. In diesem Sinne will „Kommen und Gehen“ – das Sechsstädtebundfestival! als regionaler Partner initiativ werden und dort ansetzen, wo die Kulturlandschaft einer nicht großstädtischen Region bereits blüht – auch entgegen den Palliativbeurteilungen seitens institutioneller Erhebungen. Das Festival will den vorsichtigen Optimismus der Bewohner über die wirtschaftliche Zukunft in Kultur und Tourismus stärken und eröffnet neue Perspektiven, versteht sich als kultureller Brückenbauer im Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien.

Das Festival – Inhalte

Thematisch und inhaltlich sind dem „Kommen und Gehen“ – das Sechsstädtebundfestival! keine Grenzen gesetzt. Es erinnert an die historisch kulturelle und weltoffene Region, ohne dabei nationalistisch oder verklärt traditionell scheinen zu wollen. Vielmehr greift es ein Sehnen jüngerer und älterer Hörerschaft nach einem neuen Zugang zu klassischer Musik auf und befürwortet unbedingt das zeitgemäße Spielen, Hören und Erleben herkömmlicher Werke in Verbindung mit Popkultur! Der Blick in die Zukunft lässt befürchten, dass der klassischen Musik die Hörerschaft abhandenkommt. Obwohl junge Menschen klassische Musik für ein wichtiges kulturelles Erbe halten, schwinden in den starren Grenzen vieler „Klassik-Institutionen“ das Interesse und der Kontakt zu klassischer Musik.

„Kommen und Gehen“ – das  Sechsstädtebundfestival! will Schwellenängste abbauen, die Wahrnehmung für klassische Musikschulen sowie Neugierde für musikalische Inhalte wecken. Besondere Aufmerksamkeit wird hierbei der Aufarbeitung und Kontextualisierung von Musik und den Präsentationsformen geschenkt. Anknüpfend an bestehende Strukturen und Potentiale wird „Kommen und Gehen“ – das Sechsstädtebundfestival! auf institutioneller Ebene mit Klangkörpern wie dem im Dreiländereck ansässige Europera Youth Orchestra kooperieren, das als Projektorchester in verschiedenen Zusammenhängen auftreten soll. Auf der Neisse zwischen Görlitz und Zgorzelec bilden schwimmende Pontons eine grenzenüberwindende Bühne für diesen internationalen Klangkörper, der Fritz Langs „Der müde Tod“ musikalisch begleitet und so Tradition und Innovation verbindet.

Gleichzeitig soll ein mit Musikern der Region zu gründendes Kammerorchester in kleiner Besetzung (Streichquintett, Oboe, Klarinette, Akkordeon, Trompete, Horn, Posaune) zeitgemäß und flexibel agieren. Es kann im Vergleich zu großen Klangkörpern sowohl ästhetisch als auch organisatorisch schneller auf kulturelle und musikalische Entwicklungen reagieren, und leistet somit einen unschätzbaren Beitrag zur Bewahrung und Pflege klassischer Werke und entwickelt diese fort. Das Kammerorchester repräsentiert diese Werke an attraktiven Orten im öffentlichen Raum und bringt dadurch Bewegung in die Veranstaltungsstruktur der Region. Getreu dem Motto „weniger ist mehr“ entwickeln engagierte Musiker und Arrangeure schlankere, aber gleichsam intensive Varianten großer sinfonischer Werke. Im Geiste seines Namenspatrons steht das Leipziger Kurt-Masur-Institut in Zusammenarbeit mit den Kreismusikschulen des Landkreises Görlitz Pate, um klassische Musik wieder zu einem Bereich der Entdeckungen zu machen. Für jüngeres Publikum sind eigene Schulprojekte (je nach Altersstufe „Instrumenten-Interviews“, Percussions-Workshops, Probenbesuche und vieles mehr) und eine Zusammenarbeit mit der Initiative „Rhapsody in School“  und darüber hinaus Kooperationen mit den örtlichen Musikschulen konzipiert. Im Moment der Musikvermittlung weckt die Begegnung zwischen Künstler und Schülern nicht nur Neugierde an klassischer Musik und Inspiration auf beiden Seiten, gleichzeitig wird auch das Bewusstsein für die Bedeutung der eigenen Kultur geschärft – eine wertvolle und nachhaltige Investition für die kulturreiche Region der Oberlausitz.

„Kommen und Gehen“ – das Sechsstädtebundfestival! setzt auf neue Konzertformate: eine radiogeführte Fahrradtour und eine musikalische Sechsstädterundfahrt, entwickelt mit den Dresdner Symphonikern und hiesigen Reiseveranstaltern, bringt dem Publikum gleichsam Landschaft und Kultur der Region nahe. Auch an anderen außergewöhnlichen Orten, wie zum Beispiel in der Klosterkirche Oybin, der Gendenkstätte in Bautzen oder dem Wasserschloss Hainewalde finden besondere Konzertveranstaltungen statt, die Kunst in Zusammenhang von Raum und Zeit lebendig werden lassen. Oberlausitzer Komponisten wie Andreas Hammerschmidt oder Heinrich Marschner kommen dabei genauso zu Gehör wie die Bautzener Band Silbermond oder das Elektroduo Projekt Skull. Im „Kommen und Gehen“ – das  Sechsstädtebundfestival! gibt es gleichberechtigt Platz für Projekte wie das „Vivaldi Experiment“, bei dem Hip Hop-Beats auf Vivaldi-Sampels treffen und übermalt werden mit deutschem Rap, oder für sagenhafte Aufführungen wie „Polymorphia“ von Penderecki, Aphex Twin und Brian Eno, bei denen sinfonische Kompositionen auf elektronische Musik stoßen und von Brian Eno ins Traumhafte gesungen werden. Die Zusammenarbeit mit Künstlern ohne traditionelles Spartendenken kann als eine Brücke zwischen Jugend- und Hochkultur verstanden werden. Mit der Vermittlung klassischer Musik auf eine andere Art und Weise werden sowohl die klassische Hörerschaft als auch Popkulturkonsumenten und Einheimische angesprochen und inspiriert, mit den Klängen aus klassischer Musik einen neuen Umgang zu finden.

Kontinuität – Partner

„Kommen und Gehen“ – das Sechsstädtebundfestival! ist nicht einmalig, sondern einzigartig, nachhaltig und setzt auf Kontinuität. Es will die Wiederhinwendung zur klassischen Musik begleiten und befördern und gleichzeitig eng mit der Region in den Bereichen Kultur, Wirtschaft und Tourismus zusammenarbeiten und wirkt somit identitätsstiftend. Durch die Zusammenführung regionaler und überregionaler Partner, Projekte und Marken gewinnen sowohl die Region als auch „Kommen und Gehen“ – das Sechsstädtebundfestival! eine schöne, in die Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft gerichtete Strahlkraft!